Konzept
In Leipzig besuchen die Teddydoktoren, in einem Seminar geschulte Medizinstudenten, Kindergärten und lassen die Kinder einen Arztbesuch erleben. Der Patient ist das von den Kindern mitgebrachte Kuscheltier, was bei der Anmeldung vorgestellt wird. Das Kind erhält einen Rezeptbogen und wird gebeten im Wartezimmer Platz zu nehmen, um dort von seinem Teddydoktor abgeholt zu werden.
Zusammen gehen Kind, Plüschtier und Doktor zum Behandlungsplatz, wo zunächst die Krankengeschichte erhoben wird. Die Gesprächsituation ähnelt bewusst der Konstellation bei einem Kinderarztbesuch: der Patient wird nicht direkt angesprochen, sondern das Gespräch wird mit der Aufsichtsperson des Kuscheltieres, dem Kind geführt. Neben dem Erheben der Krankheitszeichen, bietet das Gespräch dem Doktor Gelegenheit das Kind einzuschätzen. Zum einen gilt es die Bereitschaft des Kindes zu erfühlen mit der es bereit ist, sich auf das Rollenspiel einzulassen. Zum anderen kann der Teddydoktor das Vorwissen des Kindes einschätzen. Zwar ist der Besuch des Teddybear’s Hospital oft Teil einer Projektwoche des Kindergartens, doch häufig spiegeln die Krankheitszeichen des Plüschtieres die individuellen Erfahrungen des Kindes mit Krankheit und Ärzten wieder.
Die Beschwerden des mitteldeutschen Kuscheltieres reichen von Infektionen über Bauchschmerzen zu Verletzungen an Armen und Beinen bzw. Pfoten. Chronische oder unheilbare Leiden werden selten von den Kindern in das Spiel eingebracht und sind meist Erlebnisse aus dem persönlichen Umfeld. In solchen Fällen bedarf es eines besonders sensiblen Vorgehens, da nicht der Eindruck entstehen darf, dass die schwere Erkrankung die beispielsweise von einem Verwandten auf das Plüschtier projiziert wurde, von Zauberhand zu heilen sei.
Das nächste Element des Rollenspieles ist die körperliche Untersuchung des Kuscheltieres. Jeder Handgriff wird dem Kind erklärt und das Kind wird zum Mitmachen angeregt. Besonderer Wert wird auf die Demonstration von Untersuchungen gelegt, die normalerweise außerhalb des Blickfeldes des Kindes stattfinden und daher von den Kindern beim Besuch beim Kinderarzt besonders bedrohlich wahrgenommen werden. Hierzu gehören vor allem die Untersuchung der Ohren mit dem Otoskop und die Inspektion des Mund-Rachenraumes mit einem Zungenspatel. Je nach Wunsch des Kindes reicht seine Rolle hier vom stillen Beobachter über den Assistenten des Arztes bis hin zum aktiven Untersucher.
Für erkrankte Teddybären steht neben der körperlichen Untersuchung auch ein Röntgengerät zu Verfügung, das „echte“ Röntgenaufnahmen produziert. Leider ist die Produktion solcher Bilder aufwendig und kostenintensiv, so dass die bildgebende Untersuchung zurzeit auf die Spezies Bär beschränkt bleibt.
Gemeinsam mit dem Kind wird nun die Diagnose gestellt und die Behandlung des Plüschtieres geplant. Verbände und Pflaster sind natürlich ganz oben auf der Wunschliste der Kinder. Ebenso wie die Diagnose wird auch die Therapie dem individuellen Niveau des Kindes entsprechend vermittelt. Ein häufiger Grund für Magenbeschwerden ist dementsprechend falsche Ernährung und der Auslöser für Ohrenschmerzen ist natürlich das Fehlen einer Mütze bei kalter Witterung. Das Therapierepertoire eines Teddydoktoren reicht von Ernährungsempfehlungen über Bettruhe, Schonung und Vorsingen bis hin zu gemeinsamen körperlichen Aktivität. Auf Medikamentengabe, auch die Gabe von Süßigkeiten als Medizin, wird bewusst verzichtet.
Behandlungsempfehlungen für zuhause werden in Bildsprache auf das an der Anmeldung mitgegebene Rezept gemalt. Der Arztbesuch endet mit dem Aushändigen des Rezepts und einer kleinen Belohnung für die Mitarbeit des Kindes.
Das Rollenspiel ermöglicht dem Kind einen Arztbesuch aus der Sicht einer nicht direkt am Geschehen beteiligten Person. Das Kuscheltier übernimmt die Rolle des Patienten. Die Einbindung des Kindes als „Elternteil“ des Patienten garantiert eine gewisse Aufmerksamkeit, lässt dem Kind aber, vor allem bei der Untersuchung und Behandlung, genug Raum sich zurückzuziehen. Während die meisten Kinder auch schon einmal selber zum Stethoskop oder Reflexhammer greifen, lassen sich stillere Naturen gerne alles demonstrieren ohne selber einzugreifen.
Der Erfolg eines Teddydoktorenbesuches lässt häufig schon daran ablesen, wie vehement die Rezeptanordnungen für zuhause, z.B. Bettruhe, bereits im Kindergarten umgesetzt werden.
In Leipzig hat man sich für das Hausbesuchskonzept entschieden. Im Gegensatz zum Tag der offen Tür in anderen Städten, bei denen Kindergartengruppen ein Krankenhaus besuchen, ist dies zwar weniger öffentlichkeitswirksam, belässt die Kinder aber in ihrer vertrauten Umgebung und gibt den Teddydoktoren mehr Zeit sich mit jedem Kind einzeln zu beschäftigen.
Der Besuch beim Teddydoktor dauert, abhängig vom Kind und den Beschwerden des Plüschtieres, zwischen sieben und fünfzehn Minuten. Die Anzahl der Doktoren pro Termin wird so geplant, dass kein Doktor mehr als zehn Patienten behandelt und auch bei größeren Kindergartengruppen keine längeren Wartezeiten entstehen. Zumindest diesen Aspekt des Gesundheitssystems wollten wir nicht realistisch nachbilden…
